Klettern durch die Eiger Nordwand

Klettern durch die Eiger Nordwand

27/07/2022 Aus Von Marco Bermejo

Mit 1800 Höhenmeter höchstanspruchsvollem Gelände und fast 4 Kilometer Kletterei führt die Heckmair-Route durch die Eiger-Nordwand. Die Wand der Wände, einer der berühmtesten Nordwände und wahrscheinlich die mit der dramatischten Geschichte überhaupt.

Eine Begehung ist nicht nur für viele ambitionierte Alpinisten die Erfüllung eines Traums – sie ist eine Zeitreise durch die Geschichte: Schwieriger Riss, Hinterstoißer-Quergang, Todesbiwak, Götterquergang, Spinne, Corti Biwak… ständig kommt man an Orte, die aus Büchern und Filmen bekannt sind.

(Quelle: https://www.bergsteigen.com/touren/eisklettern/heckmair-route-eiger-nordwand/)

(Quelle: https://www.bergsteigen.com/touren/eisklettern/heckmair-route-eiger-nordwand/)

 

Die Besteigung (18.04.2022)

Schon seit Monaten reden Edu und ich über die Tour: die Tour zusammen zu klettern wäre schon ein Traum. Nachdem diesen Winter einige Eis und Mix-Touren zusammen gingen, müssen nur noch die Konditionen in der Wand und das Wetter passen.

Vor einigen Wochen lässt sich in den Medien sehen das viele Seilschaften die Tour gemacht haben (zum Teil 30 Seilschaften an einem Tag erfahren wir später von der Restaurantwirtin), dies schreckt uns ziemlich ab. Die Idee mit vielen anderen Seilschaften in der Wand zu sein ist für uns keine Option.

Zu Ostern gibt es ein riesiges Schönwetterfenster, doch nachdem dieses Jahr die Heckmair so wahnsinnig populär war könnte da die Hölle los sein: mit der Idee dass viele es am Wochenende probieren werden, entscheiden wir uns es am Ostermontag zu versuchen und nehmen uns zusätzlich den Dienstag als „backup“ frei. Wir wollen die Tour an einem Tag klettern: fast & light ist die Devise!

Am Ostersonntag geht’s los: München-Grindenwald, wir packen nochmals die Rucksäcke und fahren mit dem Eiger Express zur Station Eigergletscher.

 

Mit Ski (für die Abfahrt) machen wir uns auf den Weg mit dem Eiger Express.

Mit Ski (für die Abfahrt) machen wir uns auf den Weg mit dem Eiger Express.

Es hat seit Wochen kaum geschneit, somit sind ziemlich sicher Spuren in der Tour zu sehen sein. Wie trocken/heikel insbesondere die Ausstiegskamine sein werden?

Es hat seit Wochen kaum geschneit, somit sind ziemlich sicher Spuren in der Tour zu sehen sein. Wie trocken/heikel insbesondere die Ausstiegskamine sein werden?

Die Wand ist jedoch richtig beeindruckend!

Die Wand ist jedoch richtig beeindruckend!

Wir erkunden noch kurz den Weg für den Tag darauf und genießen den Abend und das traumhafte Wetter mit der beindruckenden und einzigartigen Sicht auf die hängenden Gletscher von Mönch und Jungfrau, ein absolutes Highlight.

Wir erkunden noch kurz den Weg für den Tag darauf und genießen den Abend und das traumhafte Wetter mit der beindruckenden und einzigartigen Sicht auf die hängenden Gletscher von Mönch und Jungfrau, ein absolutes Highlight.

 

Von der Wirtin erfahren wir, dass wir am Tag darauf allein mit einer anderen Seilschaft von Profibersteigern in der Wand sein werden, perfekt!

Eignergletscher Bahnstation

Eignergletscher Bahnstation

Um 1:00 klingelt der Wecker, Frühstück und um kurz vor 2 machen wir uns auf den Weg.

Um 1:00 klingelt der Wecker, Frühstück und um kurz vor 2 machen wir uns auf den Weg.

Den ersten Teil der Tour, bis kurz vor dem Schwierigen Riss gehen wir seilfrei.

Den ersten Teil der Tour, bis kurz vor dem Schwierigen Riss gehen wir seilfrei.

Noch im Dunklen geht’s an die Sache, der schwierige Riss hat’s tatsächlich in sich!

Noch im Dunklen geht’s an die Sache, der schwierige Riss hat’s tatsächlich in sich!

Sonnenaufgang, das Panorama ist wunderschön und die Wand richtig imposant!

Sonnenaufgang, das Panorama ist wunderschön und die Wand richtig imposant!

Hinterstoisser Quergang… Wahnsinn was die sich damals mit den entsprechenden Mitteln zugetraut haben, ich muss andauernd staunen!

Hinterstoisser Quergang… Wahnsinn was die sich damals mit den entsprechenden Mitteln zugetraut haben, ich muss andauernd staunen!

Zweites Schneefeld…

Zweites Schneefeld…

Kurz vor der Göttertraverse

Kurz vor der Göttertraverse

Göttertraverse, der Name ist klar, danach ab zur Spinne!

Göttertraverse, der Name ist klar, danach ab zur Spinne!

Ausstieg der Spinne, das Eis ist richtig dünn und wir bekommen eine schöne kalte Dusche!

Ausstieg der Spinne, das Eis ist richtig dünn und wir bekommen eine schöne kalte Dusche!

Die letzte Schlüsselstelle am Quarzriss ist geschafft, nun geht’s zu den Ausstiegsrissen!

Die letzte Schlüsselstelle am Quarzriss ist geschafft, nun geht’s zu den Ausstiegsrissen!

Die Ausstiegsrisse (die normalerweise auf Eis geklettert werden) sind leider komplett „Eislos“, delikates rausklettern auf nassem Fels ist gefragt.

Die Ausstiegsrisse (die normalerweise auf Eis geklettert werden) sind leider komplett „Eislos“, delikates rausklettern auf nassem Fels ist gefragt.

Goldene Stunde am Ausstieg, ein einzigartiges Panorama!

Goldene Stunde am Ausstieg, ein einzigartiges Panorama!

Die Schneefelder am Ausstieg sind komplett vereist… Die Waden brennen ordentlich!

Die Schneefelder am Ausstieg sind komplett vereist… Die Waden brennen ordentlich!

Kurz vor Mitternacht erreichen wir den Gipfel…

Kurz vor Mitternacht erreichen wir den Gipfel…

Der Abstieg über die Westflanke ist steinig und so delikat, dass wir entscheiden über den Westgrat abzusteigen. Die Kletterei wird irgendwann so heikel, und der Weg unklar, dass wir uns dafür entscheiden einen Biwak zu machen. Die Nacht ist saukalt, wir bereuen es etwas keine Schlafsäcke dabei zu haben…

Der Abstieg über die Westflanke ist steinig und so delikat, dass wir entscheiden über den Westgrat abzusteigen. Die Kletterei wird irgendwann so heikel, und der Weg unklar, dass wir uns dafür entscheiden einen Biwak zu machen. Die Nacht ist saukalt, wir bereuen es etwas keine Schlafsäcke dabei zu haben…

 

Dafür ist der Abstieg am nächsten Morgen nach Sonnenaufgang umso schöner, das Panorama ist einfach nur atemberaubend!

Mit zwei Abseilern und einem gefühlt unendlichen Abstieg erreichen wir einige Stunden später erneut die Station Eigergletscher, wo wir uns ein wohlverdientes Mittagessen gönnen!

Mit den Skiern die wir an der Station Eigergletscher deponiert hatten fahren wir im Anschluss runter ins Tal.

Um 19.00 kommen wir pünktlich zum Abendessen zurück nach Hause. Was für ein wahnsinniges Erlebnis!

 

Harte Fakten:

–       Anfahrt:

Zur Station Grindelwald Terminal https://goo.gl/maps/3mjDvLqChjptzWoo8, und von dort mit dem Eiger Express (32CHF one way) in 15 min zu Station Eigergletscher.

–       Übernachtung:

Obwohl es nirgends auf der Webseite steht, gibt es in der Station Eigergletscher Zimmer für Bergsteiger (90CHF/ Nacht mit Abendessen und Frühstück). Einfach im Restaurant Eigergletscher anrufen und nachfragen (+41338287888).

–       Konditionen:

Extrem wichtig: Nullgradgrenze sollte bei mindestens 3000m sein, ansonsten besteht erhöhte Steinschlaggefahr. Dadurch dass wir quasi allein in der Wand waren  und zeitlich früh unterwegs waren (um 2 Uhr an der Station Eigergletscher losgelaufen, Einstieg ca. 3Uhr) hatten wir kaum Steinschlag, aber trotzdem angenehme Klettertemperaturen. Durch den eher späteren Zeitraum in der Saison waren die Kletterbedingungen etwas erschwerter: wir hatten zwar Spuren in der Tour, was die Wegfindung deutlich vereinfacht, allerdings waren die Ausstiegskamine komplett nass und ohne Eis, und die blanken Eisfelder forderten richtig viel Wadelstrom.

–       Abstieg:

Im Normalfall über die Westflanke zurück zur Station Eigergletscher. Allerdings wurde uns dabei empfohlen, die Westflanke zu meiden da im Gipfelhang schon viel Geröll zu sehen war über den West-Grat abzusteigen und somit die Sommerroute folgen.

–       Material:

Seilschaft

o   1xSeil 60m Edelrid Swift Pro

o   14x Exen (6 kurze und 8 verlängerbare bis 120)

o   1x BD Camalots .3-2 (davon .4-2 BD Camalot Ultralight)

o   4x Tibloc

o   1x Edelrid Spoc

o   1x Ortovox Notbiwaksack für 2 Personen

o   1x aufblasbare Isomatte

 

Pro Person

o   2x Petzl Nomic mit Sicherungsschlaufen

o   1x Steigeisen Petzl Dart

o   5x Kurze Eisschrauben (4xGelb; 1x rot)

o   1x Petzl Sitta

o   1x BD ATC

o   6x Petzl Attache Schraubkarabiner

o   3x Edelrid Standschlaufen

o   1x Petzl Aktik Core Stirnlampe mit Ersatzakku (Ersatzakku wurde auch beim Abstieg benuzt)

 

Fazit:

Im allgemein stecken in der Tour eine große Menge an vorhandenen Haken, Schlingen und Fixseilen, die die Tour und die schwierigen Passagen erheblich erleichtern. Eine gewisse Schlingenbereinigung würde die Tour in Punkto Schwierigkeit sicherlich in einen ursprünglicheren (ehrlicheren) Zustand versetzen. Die schwierigen Passagen sind durchaus fordernd aber meist gut eingenagelt und oft mit Schlingen entschärft. Trotzdem sollte die Tour insbesondere wegen der Länge nicht unterschätzt werden. Die Tour ist konditionell anspruchsvoll weil sehr lang, 1800 hm, ca. 4 km Länge und akklimatisationstechnisch schon in großer Höhe. Die Kletterei macht jedoch riesig Spaß, Fels, Mix, Eis.

Obwohl die Kletterei meist an einigermaßen gutem Fels verläuft, sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden die Tour mit wenigen anderen Seilschaften geklettert werden. Die Weg Findung sollte definitiv nicht unterschätzt werden, eine Begehung mit Spuren erleichtert die Wegfindung erheblich. Wenn man in einer schwierigen und steilen Stelle keine Steigeisenkratzspuren sieht ist man definitiv falsch: die meisten kletterstellen sind voll mit Kratzern.

 

Die Idee, dass die Erstbesteiger sich ohne Vorkenntnisse und mit der damaligen Ausrüstung die Wand hochgearbeitet haben, ist einfach eine krasse Leistung von der ich einfach nur Staunen kann, chapeau!