Klettern im Yosemite Valley, Kalifornien

Klettern im Yosemite Valley, Kalifornien

08/11/2018 Aus Von Marco Bermejo

USA XXL

Nach einem langen Tag voller neuer Eindrücken, Riesenautos, enormen Brücken, noch größeren Supermärkten und natürlich XXL-Burgern fahren wir endlich über die Schranke in den Yosemite-Nationalpark. Leider ist es schon stockdunkel und panoramamäßig ist kaum etwas zu sehen, dafür erwartet uns am Porcupine Campground in Tuolomne Meadows ein wahnsinniger Sternehimmel. So klar ist der Himmel selten! Man hat das Gefühl, direkt in die Milchstraße greifen zu können.

Start in Tuolomne

Es soll in dieser Woche richtig heiß werden, deswegen haben wir uns entschieden unseren Klettertrip mit etwas milderen Temperaturen im höhergelegenen Tuolomne zu starten.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zur Oz, einem kurzen Klassiker, in dem ein bisschen von allem geboten ist, Risse, Platten und vor allem eine fantastische Verschneidung.

El Capitan und Half Dome

Zwei Tage später können wir nicht mehr warten, und trotz der Hitze fahren wir ins Valley. Der Moment kommt, und endlich dürfen wir, wie kleine Kinder vor dem Weihnachtsbaum, zum ersten Mal auf die ewig geträumten Wände des Capitan und des Half Dome blicken.

Zum Glück sind wir unter der Woche noch ins Tal gefahren, und somit war das Finden von einem Platz im Camp 4 auch kein Problem. Wie in jedem Campground bekommen wir unsere entsprechende Bärenbox zugeteilt. (Eine Box, in der man das ganze Essen, Beautycase, usw. verstaut, damit keine Tiere drankommen).

Hitze im Yosemite

Bei den Temperaturen in der prallen Sonne zu klettern, kommt zwar nicht in Frage, allerdings lässt sich früh morgens und abends schon einiges machen: um uns ans Rissklettern zu gewöhnen, entscheiden wir uns erstmals für einige Klassiker, nicht umsonst sind es ja Klassiker!

Serenity crack, Sons of yesterday, Nutcracker… Am 3. Nachmittag müssen wir natürlich auch gleich mal ins Separate reallity reinschauen! Die ersten Versuche in der Tour sind echt schwer: die Vorstellung, die Tour free solo zu klettern, klingt utopisch und vor allem beängstigend. Im letzten Licht, und nach vielen Versuchen, in denen wir die Reihenfolge der Handklemmer optimiert haben, klappt’s auch endlich bei mir! Ich freue mich wahnsinnig, ein kleiner Traum ist in Erfüllung gegangen!

Ab zum Lake Tahoe

Nun haben wir erstmals genug von der Hitze, wir verabschieden uns vom Valley und fahren über die schöne kurvige Straße des Tioga Pass Richtung Lake Tahoe, wo es anscheinend kühler sein soll. Wir sind beeindruckt von der Schönheit des Sees, der Klarheit des Wassers und der Landschaft allgemein, und zum Klettern gibt’s auch eine ganze Menge toller Touren im feinsten Granit.

Rostrum – wir kommen

Einige Tage später hoffen wir, dass die Temperaturen im Valley mittlerweile etwas milder geworden sind, und fahren zurück ins Valley. Das Rostrum – eins der eher ernsten Klassiker – habe ich schon von Anfang an auf dem Schirm, und da es noch recht heiß ist, ist es mit seiner nördlichen Ausrichtung die perfekte Tour. Wir wollen versuchen, sie komplett frei zu klettern, und entscheiden uns dafür, mit einem leichten Haulbag zu klettern, in dem wir etwas Wasser und ein paar Riegel hochziehen.

Wie erwartet, die Tour ist einfach der Wahnsinn. Ein perfektes Rissesystem, in dem alles geboten ist, von dünnen Fingerrissen bis hin zu den beängstigenden Offwiths, eine Traumtour!

Rauf auf die Nose

Nun, nachdem unsere Reise zu Ende geht, entscheiden wir uns trotz Hitze eine Bigwall zu probieren: wenn schon darf’s auch gleich die Nose sein. Wie empfohlen klettern wir noch am Tag, bevor wir richtig in die Wand einsteigen wollen, die ersten vier Seillängen bis zum Sickle Ledge und fixieren einige Seile bis zum Boden, um dann am Tag darauf die schweren Haulbags rauf zu ziehen. Um 5 Uhr verlassen wir unser Zelt im Camp 4, laufen den kurzen Pfad zum Wandfuß, jümaren die fixierten Seile wieder hinauf und ziehen unsere insgesamt gut 35 kg schweren Haulbags durch die Wand. Wir freuen uns, die ersten zu sein, denn hinter uns ist noch eine Seilschaft von drei Australiern unterwegs.

Abwechselnd klettern wir die Stoveleg Cracks frei, wobei wir zwischendrin immer den einen oder anderen Pendler einbauen müssen, um von einem Risssystem zum nächsten zu wechseln. Obwohl es für uns etwas ungewohnt ist, wird es so gemacht und trotzdem kommen wir recht flott voran. Am Dolt Ledge haben wir fast unser Tagessoll erreicht. Leider geht es Fer, meinem Seilpartner, nicht sonderlich gut, somit entscheiden wir uns nach einer kleinen Pause auf dem Band, dass wir wieder abseilen.

Am Tag darauf ist erstmals ausschlafen und chillen am Fluss angesagt. Zusammen mit einer anderen Seilschaft, die wir im Camp 4 getroffen haben, fahren wir zum Mariposa Groove, um uns die riesigen und beeindruckenden Sequoias anzuschauen.

Die letzten Tage im Valley vergehen auch und rückblickend sind wir doch sehr zufrieden mit unserer Reise: wir haben es in den beeindruckenden amerikanischen Nationalparks richtig genossen, konnten eine ganze Menge fantastischen Granit klettern, haben in den unterschiedlichen Campgrounds viele nette Leute kennengelernt und vor allem hatten wir einfach eine Menge Spaß zusammen. Ob wir irgendwann wieder in die Staaten zurückkehren? Definitiv!