Triglav – über den Klettersteig Bamberger Weg (C)

02/10/2016 Aus Von Marianne Huber

Tourensteckbrief

Schwierigkeiten: Klettersteigschwierigkeit C; anspruchsvolle, lange Bergtour die Trittsicherheit und Ausdauer fordert
Webcam: https://stream.webcams.travel/1485562098
Hüttenzustieg: Pontresina Bahnhof (Vorsicht hohe Parkgebühr) – Tschiervahütte 800hm – 11,5km; 3h – 4h
Stützpunkt:  Aljazev Dom nähe Parkplatz, Triglavski Dom, ca. 1h Abstieg vom Gipfel
Gehzeiten: Parkplatz – Triglav 1940hm; ca. 12 h Gesamtgehzeit
2,5 – 3h Parkplatz / Aljazev Hütte – Luknja Scharte, Luknja Scharte – Beginn Südgrat ca 3h und dann 1 – 1,5h auf den Gipfel
Abstieg Triglav Gipfel – ca. 1 – 2h (je nach Gegenverkehr), Hütte – Parkplatz ca. 4h
Material: Kletterhelm, Wanderausrüstung, evtl. Klettersteigausrüstung (viele Möglichkeiten zu sichern)
Tour durchgeführt am: 06.08.2016

 

Triglav über den Klettersteig Bamberger Weg

Zugegeben, die Anreise vom bayerischen Oberland nach Slowenien ist kein Katzensprung, aber die wilden Julischen Alpen mit ihrem „König“ Triglav – immerhin einer der Seven Summits der Alpenländer – standen schon lange auf unserer Touren-To-Do-Liste. Und so brechen wir an einem Wochenende Anfang August mit guter Wetterprognose auf nach Mojstrana im Nationalpark Triglav, im Nordwesten Sloweniens. Campieren und im Auto schlafen ist im ganzen Nationalpark verboten, weshalb wir das natürlich, und ganz gewiss auch am vollen Parkpatz Aljazev dom (1050 m) nicht gemacht haben, ebenso wie die vielen weiteren dort Anwesenden. Spaß beiseite, es gibt ein Gästehaus in Parkplatznähe und die örtliche Polizei kontrolliert den Parkplatz, um an Camper empfindliche Geldbußen zu verteilen. Nur ein gut gemeinter Tipp.

Die Tour auf den 2864 Meter hohen „Dreikopf“, was Triglav übersetzt heißt, hat es mit 1900 Höhenmetern und offiziellen 10 Stunden Gehzeit (ohne Pausen) in sich. Daher heißt es, früh aufstehen. Wir brechen um 6 Uhr bei wolkenverhangenem Himmel vom Parkplatz auf und steigen erst über einen Pfad und später über Schotter rund 2 Stunden und 700 Höhenmeter durch das Vratatal bis zum Luknapass auf. Der „Hatscher“ ist trotz der morgendlichen Kühle schweißtreibend, aber der großartige Anblick der felsigen Julischen Alpen, die Vorfreude auf den Klettersteig und ein putziger Alpensalamander auf dem Weg entschädigen uns dafür. Obwohl bestimmt 50 Wanderer mit uns am Parkplatz aufgebrochen sind, sind wir auf dem Weg zum Luknapass fast alleine, denn die allermeisten Gipfelaspiranten haben an diesem Tag den Normalweg von Osten zum Aufsteigen gewählt.

Panorama Richtung Triglav

Aufstieg über den Bamberger Weg

Am Luknapass angekommen, steigen wir nach einer kurzen Brotzeit in die imposante Nordwand des Triglav ein. Der Bamberger Weg, der meiner Meinung nach der schönste Abschnitt der Tour ist, ist größtenteils mit Drahtseilen gesichert, die Schwierigkeit des Klettersteigs ist mit C angegeben. Dazwischen gibt es aber auch immer ungesicherte Kletterstellen, die zwar einfach sind, aber Erfahrung und Trittsicherheit sind dabei unbedingt vonnöten. Klettersteigset haben wir keines dabei, aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Safety first! Es geht gut voran, der Klettersteig macht einfach Spaß und wir gewinnen schnell an Höhe und genießen die extrem beeindruckenden Tiefblicke ins Tal und auf die gegenüberliegenden Julischen Felsriesen.

Schlüsselstelle am Bamberger Weg Klettersteig

Nach rund 750 Höhenmetern ist der Klettersteig zu Ende und wir haben somit die Nordwand durchstiegen. Nun stehen wir auf einem Hochplateau, das uns an das Steinerne Meer erinnert. Dort treffen wir zum ersten Mal auf eine Gruppe anderer Bergsteiger, bis dahin waren wir alleine unterwegs Wir folgen nun den Markierungen bis zum Gipfelanstieg, der noch einmal steil und anstrengend ist. Das letzte Stück zum Gipfel ist wieder mit Drahtseilen gesichert. Wir sind froh, dass es noch immer bewölkt ist und wir nicht der Sonne ausgesetzt sind, denn es gibt auf der ganzen Tour kein Wasser und man muss daher genügend einpacken.

Am Gipfel weht ein eisiger Wind, weshalb wir nach einer Brotzeit und dem obligatorischen Gipfelfoto am winzigen „Steh-Biwak“ des Triglav den Abstieg wiederum über mit Drahtseilen gesicherte Passagen antreten. Der Weg zur Hütte auf 2500 Metern dauert ca. 2 Stunden, da man wegen Gegenverkehr aufgrund des Ostanstiegs, und steilen Passagen nicht schnell vorankommt. An der Dom Plani-Hütte kann man übernachten, jedoch konnten wir vorab keinen Platz mehr ergattern und müssen den weiten Weg am gleichen Tag wieder absteigen.

Abstieg über den Normalweg am Triglav

Abstieg über Prager Weg oder Tomisekk Weg

Für den Abstieg gibt es zwei Optionen, die nicht besonders gut ausgeschildert sind. Am besten sollte man vorher auf der Karte nachschauen, wo man absteigen will. Eine einfachere Option ist der Prager Weg (an der entsprechenden Wegabzweigung links). Alternativ gibt es auch noch den Tomisekk-Weg (rechts halten), den wir uns aussuchen, da er tollere Ausblicke verspricht und sich meist an sehr schmalen, interessanten Steigen am Berg entlang schmiegt. Auch ist hier nicht viel los, wir treffen wieder auf Alpensalamander und sogar auf einen jungen Steinbock, der keine Scheu vor uns zeigt. Hätten wir gewusst, wie lange und steil der Abstieg über den bei Insidern als „Tomisekk der Wadenschreck“ bekannte Weg ist, hätten wir uns das vielleicht nochmal anders überlegt. So erreichen wir ziemlich kaputt, aber glücklich erst gegen 22 Uhr wieder das Auto.

Die Tour war nicht nur wegen der unberührten Natur- und Bergwelt wirklich wunderschön, auch der Weg war sehr vielseitig, felsig, spaßig, aber natürlich auch sehr anstrengend. Trotz allem, sind wir uns sicher: Wir kommen wieder!